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Schulische Inklusion in Sachsen

Was bedeutet Inklusion in der Schule?

Der Begriff »Inklusion« ist mittlerweile in aller Munde. Doch wenn man über gemeinsamen Unterricht nachdenkt, stellt sich zwangsläufig die Frage: Was bedeutet Inklusion in der Schule überhaupt?

Im sächsischen Bildungssystem wird unter Inklusion zunächst ein Entwicklungsprozess verstanden. Das Ziel dieses Prozesses ist es, die gleichberechtigte Teilhabe von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf bzw. Behinderung am gemeinsamen Unterricht in allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen zu ermöglichen.

Dabei kommt der Vielfalt der Förderorte – insbesondere mit Blick auf das Wahlrecht der Eltern – eine hohe Bedeutung zu. So können Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf bzw. Behinderung an einer Förderschule oder inklusiv an einer Grundschule oder weiterführenden Schule unterrichtet werden. Die Entscheidung darüber liegt bei den Eltern, soweit bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Maßgeblich für die Wahl des am besten geeigneten Förderortes ist immer das Kindeswohl – denn dann kann Inklusion wachsen und erfolgreich sein.

Inklusion bedeutet Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Und dies wird erreicht, wenn alle Kinder und Jugendlichen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf bzw. Behinderung durch intensive Förderung zu einem ihrem Leistungspotenzial entsprechenden Bildungsabschluss geführt und gezielt auf das Berufs- und Arbeitsleben vorbereitet werden.

Rechtliche Grundlagen

Bildung als elementarer Bestandteil der UN-Behindertenrechtskonvention

Die Infografik zeigt Informationen rund um die UN-Behindertenrechtskonvention, die die Grundlage für Inklusion an Schulen ist. Sie hat Auswirkungen auf 650 Millionen Menschen weltweit und wurde am 26.03.2009 von Deutschland ratifiziert.

Sächsisches Schulgesetz stärkt Elternwahlrecht

Grafik mit dem Schriftzug "Sächsische Schulgesetze"

Am 11. April 2017 hat der Sächsische Landtag das Gesetz zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Freistaat Sachsen verabschiedet. Das neue Schulgesetz greift insbesondere im § 4c »Sonderpädagogischer Förderbedarf« die Intentionen der UN-BRK nach gleichberechtigter, aktiver Teilhabe von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf bzw. Behinderung in einem inklusiven Bildungssystem auf. Im Fokus stehen die Erweiterung der Möglichkeiten der gemeinsamen Unterrichtung von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf bzw. Behinderung. Das Elternwahlrecht hinsichtlich des Förderortes wird gestärkt.

Verordnungen

Die Schulordnungen der allgemeinbildenden Schulen Schulordnung Grundschulen, Schulordnung Ober- und Abendoberschulen, Schulordnung Gymnasien Abiturprüfung enthalten die für die inklusive Unterrichtung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf erforderlichen Regelungen. Das sind insbesondere Regelungen zur Aufnahme, Bewertung, Zeugniserteilung und Versetzung sowie zu den Abschlüssen, vor allem bei lernzieldifferenter Unterrichtung.

In vielen Fällen wird bei der Umsetzung der inklusiven Unterrichtung auch auf die Schulordnung Förderschulen Bezug genommen. Dies ist zum Beispiel beim Verfahren zur Beratung und zur Feststellung von sonderpädagogischem Förderbedarf, beim Wechsel des Förderschwerpunktes oder beim Wechsel an eine andere allgemeinbildende Schule bzw. beim Erteilen der Bildungsempfehlung der Fall.

Auch in der beruflichen Bildung enthalten die Schulordnungen, wie z. B. die Schulordnung Berufsschule, Regelungen für die inklusive Unterrichtung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Schulversuch ERINA

Schulversuch ERINA

Der Schulversuch ERINA (»Erprobung von Ansätzen zur inklusiven Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Modellregionen«) stellt eine Maßnahme zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Sachsen dar. Er wurde im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus von August 2012 bis Juli 2018 durchgeführt.

Im Schulversuch wurde unter wissenschaftlicher Begleitung der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf bzw. Behinderung am Übergang von der Kita zur Schule bis hin zur Berufsausbildung in vier Modellregionen Sachsens erprobt. Im Vordergrund stand der lernzieldifferente Unterricht an Oberschulen.

Pilotphase an ausgewählten Grundschulen

Zwei Kinder an einer Schulbank, die auf Zetteln schreiben. Im Hintergrund ist eine Lehrerin.

In Umsetzung des Gesetzes zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Freistaat Sachsen wird an ausgewählten Grundschulen in einer Pilotphase der Verzicht auf sonderpädagogische Diagnostik in den Förderschwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung vor der Einschulung oder in der Klassenstufe 1 vorbereitet und erprobt. Damit soll Inklusion als ein Ziel der Schulentwicklung gestärkt werden. Vor einer flächendeckenden Einführung des Verzichtes auf sonderpädagogische Diagnostik in den Förderschwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung vor der Einschulung oder in der Klassenstufe 1 ab dem Schuljahr 2023/24 geht zum 30. September 2021 ein Bericht an den Landtag, auf dessen Grundlage er bis zum 30. Juni 2022 eine Entscheidung treffen muss.

Projekt »Inklusionsassistent«

Vier Jugendliche, die einen "Daumen hoch" zeigen

Seit dem Schuljahr 2016/17 unterstützen im Rahmen eines Projektes des Europäischen Sozialfonds (ESF) mittlerweile 227 Inklusionsassistenten an ausgewählten Schulen in ganz Sachsen das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf bzw. Behinderung. Die Assistenten sind in allen Schularten eingesetzt und helfen den Lehrkräften unter anderem bei der zusätzlichen Förderung der Schüler, der sozialen Entwicklung im Klassenverband, der Elternarbeit und der Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben. Sie arbeiten an den individuellen Förderplänen mit, protokollieren die Entwicklungsfortschritte und tauschen sich fachlich mit der Lehrkraft aus.

Für das ESF-Projekt stehen über fünf Jahre rund 51 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln zur Verfügung. Über die gesamte Laufzeit des Projektes erfolgt eine wissenschaftliche Begleitung durch Prof. Dr. Udo Rudolph und sein Team der TU Chemnitz (Professur für Allgemeine und Biopsychologie).

Unterricht an Förderschulen

Ein grüner Schulflur, auf dem mehrere Schüler stehen.

Für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gibt es in Sachsen zwei gleichberechtigte Wege zur Förderung: Zum einen den Unterricht an Förderschulen und zum anderen den inklusiven Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Beide Wege stehen mit dem neuen Schulgesetz offen.

Sachsen bekennt sich zur Vielfalt der Förderorte und damit auch künftig zu den Förderschulen. Viele Förderschulen unterrichten ihre Schüler temporär, um sie auf das Lernen in den anderen Schularten vorzubereiten. Dabei unterbreiten sie vielfältige Angebote der sonderpädagogischen Förderung. So bietet die Förderschule Schülern einen geschützten Rahmen mit kleinen Lerngruppen, individueller sonderpädagogischer Förderung und speziell in den verschiedenen Förderschwerpunkten ausgebildeten Lehrkräften.

Kooperationsverbünde

Mehrere Spielpins als Netzwerk

Alle allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft bilden perspektivisch Kooperationsverbünde. Schulen in freier Trägerschaft können sich an einem Kooperationsverbund beteiligen. Ziel der Arbeit der Kooperationsverbünde ist es, die sonderpädagogische Förderung und die Ausgestaltung des inklusiven Unterrichts in allen Förderschwerpunkten mit zumutbaren Schulwegen zu sichern. Dabei vernetzen sie die regionalen Partner und erleichtern auf diesem Weg die Zusammenarbeit vor Ort.

Aktionsplan der Sächsischen Staatsregierung

Eine Grafik mit Tiersilhouetten vor buntem Hintergrund

Für Menschen mit Behinderungen fördert die Sächsische Staatsregierung die volle und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Am 8. November 2016 hat das sächsische Kabinett den Aktionsplan der Sächsischen Staatsregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) beschlossen. Dieser Aktionsplan ist ein Meilenstein im Inklusionsprozess, um die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderungen im Freistaat Sachsen zu verbessern und ihre Diskriminierung zu verhindern. Neben einer Darstellung des Sachstandes werden jeweils der Handlungsbedarf aufgezeigt sowie Ziele und konkrete Maßnahmen zur Umsetzung benannt.

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